LEAVING THE FRAME
Eine Betrachtung
Sowohl im Titel als auch in einer humorvollen, selbstironischen Eröffnungssequenz erfahren wir, dass die junge, attraktive Schauspielerin Maria Ehrich nicht vorhat, nach einem Drehbuch zu leben. Seit ihrem 10. Lebensjahr steht sie vor der Kamera und kennt die Kunstkniffe, den Erfolg, aber auch den unerbittlichen Konkurrenzkampf, den Neid, Missgunst und zunehmend Ängste. Auf der Suche nach sich Selbst und um dem Trott zu entgehen, sagte sie sich: „Maria, du mußt einfach mal raus. Ich wollte reisen, die Welt sehen und dadurch Abstand zu meiner Welt bekommen. Im Film spiele ich ganz oft junge Frauen, die sich zu selbstbewußten Heldinnen hochkämpfen und den Sprung wollte ich im echten Leben eben auch schaffen. Dafür wollte ich nach Menschen suchen, die quasi selbst schon gesprungen sind, von denen ich lernen konnte. Aber nicht allein, sondern mit meinem Freund. Manu.“
Maria Ehrich und ihr Freund, der Journalist Manuel Vering, gingen auf die Reise und filmten sich gegenseitig. Es entstand eine Art Autobiographie und Hommage an ferne Länder und Leute, die ihnen auf ihrem Roadtrip durch Kenia, Mexiko und USA begegneten. Auch wurde ein VW Käfer Baujahr 2003, den sie in Mexiko City erwarben, ihr treuer Begleiter und brachte sie bis ans Ende der Weltreise zum nördlichsten Punkt von Nordamerika: Neufundland. Was den Regisseuren Ehrich und Vering gut gelang, ist, das Drama im Leben selbst aufzuspüren, wo wir Menschen ständig mit Wünschen, Entscheidungen aber auch Enttäuschungen zu tun bekommen. Und dabei konnten die Menschen unterwegs hilfreich sein, die uns heldenhaft zeigen, wie man damit umgeht. Unsere Hauptprotagonisten tasteten sich in der Tradition des film trouvé mutig und munter immer weiter in ihrer eigenen Geschichte. Marias Prämisse folgend begaben sie sich auf ihrer ersten Station in Kenia in das von Frauen regierte Dorf Unity, um dort ein Stück der Wahrheit zu finden, selbstbewußt und selbstbestimmt zu leben. Frauen in kenianischen Stämmen werden heute noch von den Männern unterdrückt und sogar misshandelt. Diese autonome Gemeinschaft aus Frauen hatte es aber geschafft, den sozialen Zwängen und Verbrechen zu entfliehen. Allerdings führte das geplante Interview letztendlich zu nichts, weil die Anführerin des Dorfes dann doch zu viel Geld wollte. Dafür werden die Zuschauer mit wunderbaren Tieraufnahmen aus dem Nationalpark belohnt.
In Mexiko angekommen, erwarben sie besagten Käfer und fuhren gen Norden, während in einer Art Flashback die Story von Sister Mary Jane erzählt wurde, die in Kenia ein Waisenhaus leitete und Hunderte von Waisenkinder aufzog. Die Schwester schildert herzerwärmend und mit überwältigender Fröhlichkeit den täglichen Kampf um das Nötigste für sich und die Kinder und lies sich durch Nichts davon abbringen, den Kindern ein sicheres Zuhause zu bieten. Die Reise ging weiter über die Grenze in die USA und erstmal durch Kalifornien. In der atemberaubenden Kulisse des Yosemite National Park entführten uns die Filmemacher wieder zurück in den Busch von Kenia, um anhand der Vogelwelt vom dem wie ein Eremit lebenden Autodidakten Simon Thomsett über die Bedrohung der Tierwelt zu lernen. Dann ging es wieder weiter auf der endlosen Strasse weit weg von Zuhause durch die Rocky Mountains und die monumentalen Landschaften des nordamerikanischen Kontinents. Aber trotz drohendem Lagerkoller, der dem zweieinhalb Quadratmeter Zelt und der Kabine des Autos zu zollen war und dem ständigen Aufnehmen von Ereignissen mit der Kamera überwanden Maria und Manuel ihren wachsenden Unmut, als sie endlich in Big Apple ankamen. Vom Trubel New Yorks ergriffen, wagten sie sich an ihre letzte „Geschichte“ heran. Durch ihre airbnb Gastgeberin lernten sie den polnischen Juden und Holocaust Überlebenden Jurek Bitter kennen. Er erzählte in ergreifender Schilderung den Horror seiner Erlebnisse im Ghetto und später im Lager, den Verlust von Verwandelten und wie er durch Kunst sein Trauma verarbeiten konnte.
Die Reise endete in Neufundland am Leuchtturm von Cape Spear mit Blick auf den Altantik und weit hinterm Horizont auf die Alte Welt.
Jetzt auf Netflix: https://www.netflix.com/search?q=LEAVING%20THE%20FRAME
Schreibkram - paperwork








